Das Jakobschaf ist ein sehr altes Schaf und hat seinen Namen von Jakob, der aus der Herde Labans die gefleckten Tiere bekam (1. Buch Moses, Kap. 30, Vers 32). Bereits vor 4000 Jahren soll es in China und Persien dem heutigen Jakobschaf ähnliche Schafe gegeben haben. Englische Gemälde aus dem späten 18. Jahrhundert zeigen bereits das heutige Jakobschaf, ebenso Fotos aus England von ca. 1900. In einem Schriftwechsel wird 1913 von Jacob’s Flock, einer Herde von Jakobschafen gesprochen.

Das Vierhorn- oder Mehrhornschaf, wie das Jakobschaf in der Literatur oft auch genannt wird, beeindruckt bereits beim ersten Blick durch seine äußere Erscheinung: Die Hörner, das gefleckte Vlies und das selbstbewusste Auftreten der Schafe.

Beide Geschlechter haben zwei oder vier Hörner, in Ausnahmen bis zu sechs, die bei den Böcken deutlich stärker ausgeprägt sind und ihnen ein imposantes Aussehen verleihen. Bereits kurz nach der Geburt ist erkennbar, ob es ein zwei- oder vierhörniges Lamm ist. Sind die Hörner der Lämmer noch sehr weich und können leicht abbrechen, werden sie mit zunehmendem Alter der Tiere stabiler. Im Konkurrenzkampf der Böcke kann schon mal ein Horn verloren gehen.

Das Vlies ist weißgrundig mit braunen oder schwarzen Flecken, in seltenen Fällen mit einem Farbstich, der im Englischen mit lilac beschrieben ist. Das mischwollige Vlies besteht aus feiner bis mittlerer Qualität mit wenig Grannenhaaren. Es ist von offener Beschaffenheit und seidig glänzend. Die Wolle ist sehr gut zum Spinnen geeignet. Durch entsprechende Sortierung können Farbtöne von weiß über braun bis hell- oder dunkelgrau zusammengestellt werden. Auch zum Färben und Filzen ist die Wolle gut geeignet.

Die Böcke sind mit drei Jahren ausgewachsen. Die Brunst der Schafe ist saisonal und eine Erstzulassung mit sieben bis neun Monaten möglich. Für die Entwicklung der Tiere ist es jedoch besser, wenn sie erst später zugelassen werden. Während die erste Ablammung oft nur ein Lamm bringt, sind später Zwillingsgeburten normal und Drillinge nicht ungewöhnlich. Die Schafe haben einen ausgeprägten Mutterinstinkt und lammen meistens problemlos.

Jakobschafe sind eine genügsame und robuste Landschafrasse. Auf schweren Böden neigen sie zur Verfettung und erreichen Gewichte, die bei Landschafen nicht erwünscht sind (s. Rassestandard). Sie haben mageres, sehr schmackhaftes Fleisch, das dem Wildbret ähnlich ist.

Das Haupt-Verbreitungsgebiet des Jakobschafs dürfte heute Großbritannien sein. Dort gründete sich 1969 die Jacob Sheep Society, die heute zwischen 700 und 800 Mitglieder hat (https://jabobsheepsociety.co.uk). Die Jakobschafe werden dort in zum Teil großen Herden in Reinzucht gehalten, aber auch zu unterschiedlichen Zwecken mit anderen Rassen gekreuzt. 1988 wurde in den USA die Jacob Sheep Breeders Association (JSBA) gegründet. Ihr gehören einige Hundert Züchter an. Fotos (www.jsba.org) zeigen allerdings, dass die dortigen Rassevorstellungen von denen in Europa deutlich abweichen. In den Niederlanden gab es bereits (und gibt es immer noch) Jakobzüchter, bevor diese Rasse auch in Deutschland populär wurde. In der Schweiz schlossen sich 2008 elf Züchter zur IG Jakobschaf Schweiz zusammen (www.jakobschaf-schweiz.ch). Der Gemeinschaft gehörten Anfang 2025 bereits 60 Züchter an.

In Deutschland trafen sich 1996 erstmals fünf Jakobzüchter. Daraus entstand die Interessengemeinschaft der Jakobschafzüchter. Die Vereinigung Deutscher Landesschafzuchtverbände (VDL) nennt in ihrer Statistik für 2024 einen Herdbuchbestand des Jakobschafs in 19 Betrieben mit 291 Mutterschafen und 40 Böcken. Laut Schäfereikalender 2026 gibt es zurzeit 16 Jakobzüchter in Deutschland. Für die Erarbeitung ihrer Empfehlungen zum Rassestandard nutzte die Interessengemeinschaft die Rassestandards der JSS, der JSBA und aus den Niederlanden.

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